Eine ganz normale Schulgeschichte. Oder auch nicht
Herr Einmal noch und ich werde…, seines Zeichens Schulleiter mit einem Vorname-Nachname-Komplex8, saß in seinem Büro. Es war ein Büro wie jedes andere Schulleiterbüro: Es roch nach altem Papier, nachdenklicher Verzweiflung und gelegentlich nach Zigarettenrauch, den jemand durch das Fenster geatmet hatte, weil man das in Schulen ja eigentlich nicht durfte.
Ihm gegenüber saßen Freddy, der Schulsozialarbeiter, und Sabina, seine Kollegin. Freddy hatte die ungesunde Angewohnheit, sich an Gesprächen so zu beteiligen, dass niemand ganz sicher war, ob er tatsächlich zuhörte oder ob er das, was er sagte, ernst meint. Er schien immer nur darauf zu warten, dass jemand „Feierabend“ sagte. Sabina hingegen war so nüchtern, logisch und naiv, dass sie eine Diskussion über Einhörner in eine Debatte über kommunale Müllentsorgung verwandeln konnte.
„Die Sache mit den Schülern aus der vierten Klasse“, begann Herr Einmal noch und ich werde…, während er so tat, als hätte er nicht gerade versucht, sich mit seinem Kugelschreiber ein Auge auszustechen, „ist eskaliert.“
„Tja, Kinder eben“, murmelte Freddy und lehnte sich zurück, bis der Stuhl ein protestierendes Knarzen von sich gab. „Sagen, was sie denken, machen, was sie nicht sollen, und dann die Schuld auf den Matheunterricht schieben.“
„Es ist schlimmer als das“, sagte Sabina und sah aus, als hätte sie gerade entdeckt, dass jemand ihren perfekten Stifthalter benutzt hatte, um Kaugummi einzusammeln. „Hinnerk hat behauptet, der Treckerhersteller Fendt sei viel besser als John Deer, worauf Fokko ihn erst beleidigt und dann geschlagen hat.“
„Hach ja, die berühmten Treckerdiskussionen unter Landwirtskinder“, sagte Freddy träumerisch. „Dabei weiß doch jeder, das Deutz-Fahr unschlagbar ist.“
„Nicht das Thema, Freddy“, unterbrach Sabina und schob ihm eine Akte hinüber, die mit gelben Haftnotizen übersät war. „Hinnerk hat sich entschuldigt, und das vorbildlich. Das Fehlverhalten ging von Fokko aus. Aber das größere Problem ist...“
„Das größte Problem bin natürlich ich!“
Der Geist der Schule, eine beeindruckende Erscheinung in der Theorie, aber in der Praxis oft von einem schwebenden Hamsterskelett abgelenkt, das ihn aus unerklärlichen Gründen begleitete, hatte sich eingeschaltet.
„Ich bin gegen Handgreiflichkeiten in den Klassenzimmern. Es stört die Akustik. Und nur nebenbei, die Treckerproduktion von Claas ist vorne anzusiedeln.“
„Geist“, sagte Herr Einmal noch und ich werde... seufzte. „Das hilft uns jetzt nicht wirklich weiter.“
„Hast du eine Idee, wie wir das Problem lösen können?“, fragte Freddy den Geist.
„Natürlich. Die Jungs sollten eine Beleidigungs-AG gründen. Wie immer gilt: Wenn man einen Konflikt nicht lösen kann, mach ein Projekt draus.“
„Das ist gar nicht schlecht und hätte von mir kommen können“, überlegte Sabina, während Freddy skeptisch eine Augenbraue hob. „Eine kontrollierte Umgebung, in der die Schüler lernen, wie man Konflikte verbal, aber kreativ austrägt.“
„Eine AG?“, Herr Einmal noch und ich werde… klang nicht überzeugt. „Und wer soll das leiten?“
„Ein Englischlehrer. Diese Leute haben einen Instinkt für passiv-aggressive Formulierungen. Nur nicht Hauke Heyen, der ist ungeeignet für Treckerdiskussionen, der fährt Kubota.“
„Das stimmt“, murmelte Freddy.
Während sich die Diskussion auf einem gewohnt absurden Niveau fortsetzte, zeigte sich die wahre Essenz der Schule: Ein Ort, an dem Chaos eine Form von Methode ist, und wo Geister das letzte Wort haben.9
„Nicht mein letztes Wort“, fügte der Geist hinzu. „Ich habe noch sehr viel zu sagen.“10