Gedicht zum Vorlesen und Anhören
Die Lehrerin und die Spinne
Eine Kollegin erzählte an einem Freitag in der großen Pause, wie sie ihre aufgeregten Grundschüler beruhigte, als eine große Spinne im Klassenraum auftauchte. Obwohl sie selbst Angst vor Spinnen hat, bewies die Lehrerin Mut und griff zu einer kleinen Notlüge.
In der Schule, frisch und munter,
sitzt die Klasse, putz und bunter.
Frau Renner ruft: "Nun, Kinderlein,
muss heute eine Pause sein!"
Doch was krabbelt dort denn an der Wand,
mit acht Beinen – unbekannt?
Eine Spinne, groß und schwarz,
schleicht behände bei den Charts.
Die Kinder schauen voller Schreck,
"Weg, Frau Renner! Mach sie weg!"
Doch Ruth Renner, klug und rein,
fängt das Spinnchen flink und fein.
Mit dem Lineal, schnell und keck,
trifft die Spinne - huch ein Fleck.
Ein Schlag – die Spinne liegt nun flach,
bekam ja eins aufs Spinnendach.
Die Kinder blicken bang und stumm:
"Lebt sie noch? Ist sie nun krumm?"
Da lächelt Ruth und spricht ganz sacht:
"Die Spinne schläft, so wie gedacht.
Ich bring’ sie raus in Wald und Flur,
dort wird sie wach – glaubt's mir nur!"
Und die Kinder, brav und fromm,
glauben ihr und blicken stumm.
Denken sich: "So soll es sein,
die Spinne schläft im Sonnenschein."
Die Kinder blickten fröhlich drein,
glauben fest, das kann schon sein.
Glauben fest an ihre Mär,
dass Spinnen schlafen – bitte sehr.
Doch draußen, hinter Busch und Baum,
endet dann der Spinnentraum.
Frau Renner wischt sich froh die Hände:
"Die Sache hat ein gutes Ende!"
So lernt die Klasse von der Ruth:
manchmal braucht man etwas Mut.
Eine gute, feine Tat,
die mehr Schein als Wahrheit hat.