Geschichte 9
In den Hallen der Schule zur Unermüdlichen Bildung, wo die Kreide an der Tafel mehr wusste als so mancher Lehrer, trafen sich Schulleiter Herr Einmal noch und ich werde...11, Schulsozialarbeiter Freddy und Schulsozialarbeiterin Sabina zu ihrer wöchentlichen Krisensitzung.12
"Also gut", begann Herr Einmal noch und ich werde..., während er versuchte, seine Krawatte zu lockern, die sich wie eine Python um seinen Hals geschlungen hatte. "Was steht diese Woche auf der Tagesordnung?"
Freddy, der aussah, als hätte er in einem Secondhand-Laden eingekauft, in dem selbst die Motten nur widerwillig fraßen, zog ein zerknittertes Papier hervor. "Nun, wir haben da das Problem mit dem sprechenden Frosch im Biologieunterricht."
Sabina, deren Optimismus selbst dann noch strahlen würde, wenn die Sonne beschlösse, in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen, lächelte. "Oh, ich finde, das ist eine wunderbare Gelegenheit für interdisziplinären Unterricht! Biologie trifft Fremdsprachen!"
"Ihr vergesst, dass dieser Frosch einst unser Lateinlehrer Herr Adverbium Plenus war. Er gibt nie eine Antwort, ohne mindestens drei adverbiale Bestimmungen einzufügen", ertönte eine bekannte Stimme, begleitet vom leisen Klappern eines schwebenden Hamsterskeletts. Der Geist der Schule trug heute ein Tweed-Jackett mit Ellbogenflicken.
Herr Einmal noch und ich werde... seufzte tief. "Richtig. Ich hatte gehofft, das wäre nur ein böser Traum gewesen. Wie konnte das überhaupt passieren?"
Freddy zuckte mit den Schultern. "Tja, Sie wissen ja, wie das ist. Man lässt einmal den Chemie-AG-Raum unbeaufsichtigt, und schon verwandelt sich der Lateinlehrer in einen Frosch. Klassischer Fall von 'Tempus fugit', würde ich sagen."13
"Nun gut", sagte der Schulleiter und rieb sich die Schläfen, als versuchte er, einen besonders hartnäckigen Gedanken herauszumassieren. "Was noch?"
Sabina blätterte durch ihre Notizen, die so ordentlich waren, dass selbst ein Zen-Garten neidisch geworden wäre. "Oh, da wäre noch die Sache mit der Cafeteria. Es scheint, als hätte das Mittagessen gestern... nun ja, zurückgeschlagen."
"Ah ja, die große Rebellion der Erbsensuppe von '24", kommentierte der Geist trocken, und schwelgte in Erinnerungen. „Ich habe schon viele Aufstände gesehen, aber noch nie einen, bei dem die Anführer mit Löffeln bewaffnet waren.“
Freddy nickte ernst. "Wir mussten die Schüler mit Strohhalmen bewaffnen, um die Suppe zurück in ihre Schüsseln zu saugen. Es war ein erbitterter Kampf, aber am Ende siegte die Oberflächenspannung."
Herr Einmal noch und ich werde... starrte ins Leere, als betrachtete er die Weisheit des Universums, oder zumindest die Frage, ob er nicht doch besser Versicherungsvertreter geworden wäre.
"Gibt es denn auch gute Nachrichten?"
Sabina strahlte. "Oh ja! Der Kunstunterricht war ein voller Erfolg. Die Schüler haben lebensechte Portraits gemalt!"
"Das klingt doch wunderbar", seufzte der Schulleiter erleichtert.
„Bis auf die Tatsache, dass die Portraits tatsächlich zum Leben erwacht sind und nun durch die Gänge wandern", ergänzte der Geist hilfreich. „Ich glaube, Picassos 'Frau mit Birne' diskutiert gerade mit dem Mathelehrer über nicht-euklidische Geometrie."14
Herr Einmal noch und ich werde... ließ seinen Kopf auf den Tisch sinken, ein Geräusch von sich gebend, das irgendwo zwischen einem Seufzen und dem Quietschen eines rostigen Scharniers lag. "Manchmal frage ich mich, ob wir überhaupt eine normale Schule sind."
Freddy klopfte ihm tröstend auf die Schulter. "Ach, kommen Sie. Normal ist doch langweilig. Außerdem, wo sonst können Schüler lernen, wie man eine meuternde Suppe besiegt oder mit kubistischen Kunstwerken debattiert?"
Sabina nickte enthusiastisch. "Genau! Wir bereiten sie auf das echte Leben vor!"
"Oder zumindest auf eine Karriere im Zirkus", murmelte der Geist, während sein Hamsterskelett eine Pirouette vollführte.
Und so endete eine weitere Krisensitzung an der Schule zur Unermüdlichen Bildung. Die Glocke läutete, und die Korridore füllten sich mit Schülern, lebenden Portraits und dem gelegentlichen Quaken eines Lateinlehrers.15