Geschichte 12

Schule, Chaos und ein Hauch Magie

Das große Genderstern-Debakel. Eine satirische Schulgeschichte über Elternbriefe, Grammatik, Inklusion, aufgeregte Kollegien und die pädagogische Erkenntnis, dass schon ein kleines Zeichen erstaunlich viel Wirbel machen kann.

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Geschichte 12. Das große Genderstern-Debakel

Die Schule zur Unermüdlichen Bildung, frisch umbenannt in die Wilhelm-von-Maßstäbe-Gesamtschule, ein Name, der bereits mehrere Kaffeekannen an Diskussionen gekostet hatte, stand vor einer neuen Herausforderung: die Einführung gendergerechter Sprache. Eine Aufgabe, die so einfach war wie ein Streit mit einem Nilkrokodil und so sanft wie ein aufgebrachter Höhlentroll.

Es begann, wie so vieles an dieser Schule, mit einem Elternbrief.

Im düsteren, gold-blau beleuchteten Schulbüro liest der Schulleiter einen Elternbrief zur Einführung gendergerechter Sprache vor. Freddy ist glatzköpfig, trägt Brille und gräulichen Bart. Sabina ist jung, schlank, blond und ohne Brille. Der Geist der Schule schwebt mit Hamsterskelett darüber. Alles im gleichen zeichnerischen Stil wie die anderen Geschichten.
Der Ausgangspunkt allen pädagogischen Unheils: ein gut gemeinter Brief, ein voller Schreibtisch und mindestens drei Menschen, die ahnten, dass das nicht folgenlos bleiben würde.KI-generiert

Wilhelm-von-Maßstäbe-Gesamtschule. Ein Brief, der die Sprache neu vermisst

(Maßstäbe, Sie verstehen?)

Betreff: Antrag auf die Einführung gendergerechter Sprache. Oder: Warum ein Sternchen mehr als ein Himmelskörper sein kann

Sehr geehrter Herr Einmal noch und ich werde …,
sehr geehrte Lehrkräfte, magische Geister und alle anderen Wesen, die sich in unserer Schule tummeln, wir, die engagierten Eltern, wenden uns heute an Sie mit einem Anliegen, das uns genauso am Herzen liegt wie der Versuch, die Haustiere unserer Kinder davon abzuhalten, bei „Bring dein Haustier mit zur Schule“-Tagen Chaos zu stiften. Es geht um Sprache, oder genauer gesagt: die Art und Weise, wie wir sie nutzen, um eine Welt zu formen, in der alle Platz haben.

Unsere Mission, man könnte es auch Wunsch nennen, aber das klingt weniger heldenhaft: die Einführung gendergerechter Sprache im Alltag der Wilhelm-von-Maßstäbe-Gesamtschule. Warum? Weil Sprache nicht nur dazu da ist, um auswendig gelernte Vokabeln in Klausuren einzusetzen. Sie ist der Zement, mit dem wir die Grundsteine der Werte unserer Kinder legen. Und seien wir ehrlich: Unserer Schule steht es gut zu Gesicht, dabei ein Vorbild zu sein.

Unsere Argumente, oder: Die drei mächtigen Säulen des Sternchens:

  1. Sprache schafft Wirklichkeit: Wenn unsere Kinder den ganzen Tag in Büchern, auf Arbeitsblättern und in Gesprächen hören, dass „alle Menschen“ tatsächlich alle meint, dann glauben sie das vielleicht irgendwann auch.
  2. Zukunftsfähigkeit: In der Welt da draußen, ja, wir wissen, das ist ein beängstigender Gedanke, gehört gendergerechte Sprache längst zum Standard. Warum sollten unsere Kinder nicht schon jetzt lernen, wie man mit einem „*“ mehr überzeugen kann als mit einem Fragezeichen?
  3. Inklusion: Auch wenn der Geist der Schule sich sprachlich bereits hervorragend repräsentiert fühlt, rote Buchstaben haben eben ihren Charme, gilt das nicht für alle. Kinder, Eltern und Lehrkräfte, die nicht-binär oder geschlechtlich divers sind, verdienen Respekt, auch im Kleingedruckten.

Wie wir das umsetzen könnten, oder: „Die To-do-Liste des Fortschritts“:

  1. Schulung und Sensibilisierung: Geben wir den Lehrkräften und Mitarbeitenden Werkzeuge an die Hand, die nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes inklusiv sind, sondern auch noch Spaß machen.
  2. Überarbeitung von Materialien: Wo möglich, passen wir Bücher, Arbeitsblätter und Dokumente an. Keine Sorge, wir schlagen nicht vor, das Lehrerzimmer mit neuen Dudenbänden zu tapezieren.
  3. Bewusste Kommunikation: Vom „Liebe Schülerinnen“ bis zum „sehr geehrter Herr/Frau Mustermann“. Kleine Änderungen können Großes bewirken.

Unsere Unterstützung:
Wir Eltern sind bereit, Sie tatkräftig zu unterstützen. Mit Ressourcen, Kontakten zu Expert*innen oder sogar Workshops, die wir mitgestalten.

Mit freundlichen Grüßen,
Die engagierten Eltern der Wilhelm-von-Maßstäbe-Gesamtschule

PS: Wir glauben fest daran, dass Wilhelm von Maßstäbe als Namensgeber unserer Schule diesen Antrag unterschrieben hätte. Wenn nicht mit seiner Hand, dann mit einem präzise gezogenen Strich.

PPS: Für den Geist der Schule hätten wir auch ein eigenes Pronomen, falls das hilft.

„Inklusion ist wichtig“, sagte Herr Einmal noch und ich werde..., während Freddy und Sabina ihm mit skeptischer Begeisterung lauschten. „Ab sofort soll in allen schriftlichen und mündlichen Äußerungen der Genderstern verwendet werden.“

„Und was, wenn einer ein Apostroph will?“, fragte Freddy, der wie üblich an seinem wackeligen Stuhl balancierte. „Oder ein Semikolon? Manche Kinder sind ja sehr kreativ.“

Sabina sah ihn streng an. „Freddy, das ist eine Frage der Gleichberechtigung!“

„Es ist eine Frage der Grammatik“, grummelte Freddy. „Und wir wissen alle, wie gut die Kinder mit Grammatik klarkommen. Die Hälfte denkt, ‚Akkusativ‘ ist eine Marke für Energiespeicher.“

Die Lehrerschaft wurde zur Krisensitzung einberufen, was an der Wilhelm-von-Maßstäbe-Gesamtschule immer bedeutete, dass das Lehrerzimmer zur Arena wurde. Herr Einmal noch und ich werde… versuchte, die Diskussion mit der Anmut eines Mannes zu leiten, der in einem Sturm einen Pudding aufrecht balancieren will.

Heftige Debatte im Lehrerzimmer über gendergerechte Sprache. Freddy sitzt links mit Kaffee, Sabina vermittelt, der Schulleiter ringt um Ordnung. Frau Dörnte ist begeistert, Herr Lappus skeptisch. Der Geist der Schule schwebt im Hintergrund. Stil und Figuren entsprechen den vorherigen Geschichten.
Die unvermeidliche Krisensitzung. Sobald pädagogische Grundsatzfragen und Grammatik zusammentrafen, war das Lehrerzimmer weniger Besprechungsraum als Naturereignis.KI-generiert

„Ich finde das wunderbar!“, rief Frau Dörnte, die Deutschlehrerin, und klatschte begeistert in die Hände. „Endlich können wir alle Geschlechter repräsentieren. Die Sprache wird lebendig!“

„Die Sprache wird nur noch komplizierter“, entgegnete Herr Lappus, der Physiklehrer. „Und Physik ist schon kompliziert genug. Versucht mal, ein Experiment zu erklären, wenn man ständig Sternchen sagen muss!“

„Es heißt nicht Sternchen“, korrigierte Sabina geduldig. „Es heißt Genderstern.“

„Und was machen wir mit den Schülern, die das nicht mögen?“, fragte Freddy. „Ich hab da diesen einen Jungen, der sich weigert, das Wort ‚Hausaufgaben‘ zu schreiben. Ich fürchte, der will statt Sternchen einen Totenkopf.“

Trotz derlei Einwände beschloss das Kollegium, die Neuerung direkt auszuprobieren, zuerst im Deutschunterricht, wo Frau Dörnte mit großem Enthusiasmus loslegte.

„Liebe Schüler*innen, heute wollen wir die Verwendung des Gendersterns üben!“, verkündete sie mit einem Lächeln, das so breit war wie das Latein-Wörterbuch.

Tjark-Torben, ein notorischer Querulant der Klasse 8b, hob die Hand. „Frau Dörnte, was ist, wenn ich ein Roboter bin? Muss ich dann ein Gender-Zahnrad verwenden?“

„Sei nicht albern, Tjark-Torben“, seufzte Frau Dörnte, wobei sie den Rand ihres Papiers so fest krallte, dass es ein paar Jahrzehnte früher als das übliche Unterrichtsmaterial in den Recyclingprozess eintreten würde.

„Und wenn ich ein Wurmloch bin?“, fragte ein anderes Kind. „Muss ich ein Gender-Sternbild benutzen?“

„Vielleicht könnten wir uns erstmal auf die Basics konzentrieren“, schlug Sabina vor, die aus rein präventiven Gründen hospitierte und mit in den Unterricht gegangen war.

Deutschunterricht mit Frau Dörnte vor einer Tafel zum Genderstern. Tjark-Torben fragt nach Robotern, ein anderes Kind nach Wurmlöchern. Sabina hospitiert. Freddy sitzt seitlich dabei. Der Geist und das Hamsterskelett schweben im Hintergrund. Zeichnerischer Stil wie in den früheren Geschichten.
Der Praxistest im Unterricht. Sobald Sprache erklärt wurde, begann die Klasse zuverlässig damit, die Logik bis an ihre dekorativen Grenzen auszureizen.KI-generiert

Am Ende war die Einführung des Gendersterns, sagen wir, ein Prozess. Die Schüler*innen19 hatten ihn schnell für kreative Auslegungen genutzt, die von „Schüler*innen*innen“ bis „Schüöeär*innen“ reichten.

„Es ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Sabina optimistisch, während Freddy ein Tuch nahm, um die Kreidestriche von seinem Hemd zu wischen.

„Ein kleiner Schritt für die Sprache, ein großer Schritt für die Wilhelm-von-Maßstäbe-Gesamtschule“, dachte Einmal noch und ich werde… stolz.

Sabina hält nach dem Experiment ein Schild mit positivem Fazit, Freddy wischt Kreidestaub von seinem Hemd, der Schulleiter wirkt stolz, der Geist und das Hamsterskelett schwebten zustimmend dabei. Überall liegen Zettel mit kreativen Sprachformen. Gleicher Stil wie in den anderen Geschichten.
Das Ergebnis war nicht geordnet, aber auf seltsame Weise lehrreich. Wie so oft an dieser Schule lag Fortschritt irgendwo zwischen Verwirrung, Gelächter und Kreidestaub.KI-generiert

Fußnoten

  1. „Schüler*innen“ ist korrekt, auch wenn Tjark-Torben darauf bestand, dass „Schüler&Innen“ viel cooler klingt.